Excerpt for Tod aus dem Aquarium by Jan Ringer, available in its entirety at Smashwords

Tod aus dem Aquarium

Jan Ringer



Copyright 2011 Jan Ringer



Smashwords Edition, License Notes

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Tod aus dem Aquarium


Kommissar Reiners starrte auf den Toten, während der Arzt seine Tasche packte und ihm den Totenschein überreichte. „Klarer Fall“, sagte er, „ein Herzinfarkt.“ „Sind Sie sicher“, fragte der Kommissar skeptisch, „er war erst 42 Jahre alt.“ „Kein Zweifel“, winkte der Doktor ab, „die Zeichen sind eindeutig.“ „Ich danke Ihnen“, sagte der Kommissar und schüttelte ihm zum Abschied die Hand.

Der Kommissar schien sichtlich betroffen: „So jung und schon einen Herzinfarkt“, murmelte er. „Wenn es einer war“, unterbrach ihn plötzlich ein Mann, der neben ihm stand. „Wer sind Sie?“, fragte der erstaunte Kommissar. „Ich bin Detektiv und heiße Mario Steiner. Ich bin von der Lebensversicherung beauftragt worden. Wir haben ernsthafte Zweifel, dass es ein natürlicher Tod war.“ Der Kommissar sah ihn verwundert an. „Aber der Arzt ist der Meinung...“ Der Detektiv winkte lächelnd ab. „Sie wissen selbst, dass fast jeder vierte Totenschein eine falsche Diagnose enthält. Diese Hausärzte können doch durch so einfache Untersuchungen nicht die wahre Ursache finden.“ Der Kommissar ärgerte sich über den belehrenden Ton und fragte herausfordernd: „Und was, glauben Sie, ist die Todesursache?“ „Mord!“, sagte der Detektiv bestimmt. „Und haben Sie auch Beweise?“ Der Detektiv sah ihn überheblich an und vermittelte ihm das Gefühl, dass er ihn nicht ernst nahm. „Er hat vor über drei Jahren eine Lebensversicherung in Höhe von einer halben Million Euro abgeschlossen. Bei dieser hohen Summe bestand die Lebensversicherung auf einer gründlichen Gesundheitsprüfung durch einen Vertragsarzt.“ „Und das Ergebnis?“, hakte Reiners nach. „Nichts“, erwiderte der Detektiv, „der Mann war kerngesund.“ „Aber kann es nicht trotzdem sein...?“ „Nein, ich glaube nicht“, entgegnete der Detektiv, „nicht bei dieser Versicherungssumme. Hier ist etwas faul. Mein Instinkt sagt mir das.“

„Gut, ich werde auf jeden Fall eine genaue Obduktion anordnen lassen. Sie erhalten das Ergebnis morgen“, sagte der Kommissar entschlossen und verabschiedete sich von ihm.

Einige Stunden später ging er in die Pathologie, um mit dem Gerichtsmediziner zu sprechen. „Und das Ergebnis?“, fragte Reiners ungeduldig. Der Arzt streifte sich die Handschuhe ab und machte einige Notizen. „Kein Befund“, sagte er routiniert, „vermutlich doch ein Herzinfarkt; die Herzkranzgefäße sind krankhaft verändert. Ich habe keinerlei Hinweise auf eine Fremdeinwirkung.“ Obwohl Kommissar Reiners durchaus dem Arzt glauben wollte, war er nach den Hinweisen des Detektivs misstrauisch geworden. „Vielleicht Gift?“, wandte der Kommissar ein. Der Arzt sah ihn erstaunt an. „Sie glauben, es war Mord?“ „Ja, möglicherweise.“ „Zumindest kann ich es mit einiger Wahrscheinlichkeit ausschließen“, sagte der Mediziner und wandte sich wieder seinen Papieren zu. „Die meisten bekannten Gifte hinterlassen deutliche Spuren, die jeder sachverständige Facharzt sofort erkennt. Denken Sie an Arsen oder Strychnin. Manchmal erkennt man es an der Haut oder einem knoblauchähnlichen Mundgeruch.“ „Aber seltene Gifte?“, wandte der Kommissar ein. „Es gibt natürlich Toxine, die nur schwer nachzuweisen sind oder die nach einigen Stunden im Körper keine Spuren mehr hinterlassen. Aber sie sind kaum zu beschaffen, und für Laien eigentlich...“ „Und wenn doch?“, beharrte der Kommissar. „Ich sehe, die Giftmischer-Hypothese hat es Ihnen angetan“, lachte der Arzt, „ich werde das Blut noch einmal nach verschiedenen Giften untersuchen lassen.“ „Wie lange brauchen Sie?“, fragte der Kommissar. „Sagen wir zwei Stunden?“, erwiderte der Gerichtsmediziner. „In Ordnung.“

Frau Arendsen, die Witwe des Ermordeten, war ungehalten, als sie der Detektiv unangekündigt aufsuchte, um mit ihr noch ein paar Formalitäten zu erledigen, wie er sagte. Mit ihrem schwarzen Schleier strahlte sie etwas Verführerisches aus. „Ich habe wenig Zeit“, fuhr sie ihn an und vermied es, ihm in die Augen zu sehen. „Sie müssen noch dieses Formular ausfüllen und Ihre Bankverbindung eintragen“, sagte der Detektiv, wobei er sie genau musterte und auch seinen Blick durch die Wohnung schweifen ließ. An der Stelle, wo der Tote gelegen hatte, stand nun ein Sessel. Die Witwe füllte das Formular zügig aus und schluchzte immer wieder. Doch der Detektiv hatte das Gefühl, dass etwas nichts stimmte. Wann kann ich mit der Auszahlung der Versicherungssumme rechnen?“, fragte die Witwe geschäftsmäßig. „Nach Abschluss aller Prüfungen“, sagte der Detektiv. Die Frau sah ihn wütend an. „Ich habe keine Zeit“, brach es aus ihr hervor, „wissen Sie überhaupt, was die Beerdigung kostet? Und dann die laufenden Kosten für das Haus!“ „Gewiss“, sagte er, „wir werden alles Erforderliche tun, um Ihnen die Summe schnellstmöglich anzuweisen“, sagte er mit ernstem Gesicht. „Dann muss ich mich jetzt von Ihnen verabschieden; ich habe einen wichtigen Termin“, sagte sie mechanisch und drückte ihm sachte die Hand. „Nochmals, mein aufrichtiges Beileid“, beteuerte der Versicherungsangestellte und ging.

Sie führt etwas im Schilde, dachte der Detektiv und wartete in seinem Auto, das er hundert Meter entfernt vom Haus geparkt hatte. Nach einigen Minuten kam die Witwe aus dem Haus und fuhr in ihrem Porsche davon. Mario Steiner folgte ihr vorsichtig. Nach kurzer Zeit erreichte sie ein Haus und ging hinein. Der Detektiv schlich zu dem Haus und beobachtete mit Hilfe eines Teleobjektivs, was sich in der Wohnung tat. Er sah, wie die Frau einen jüngeren Mann küsste und mit ihm im Schlafzimmer verschwand. Eine lustige Witwe, dachte er zynisch. Als er sein Fernglas nochmals auf das Wohnzimmerfenster im Parterre richtete, fiel ihm ein Aquarium auf. Zuerst dachte er sich nichts dabei, doch dann machte er ein Foto. Er fuhr nach Hause und rief die Universität an. „Könnte ich bitte einen Termin bei Prof. Scheele haben? Ich arbeite als Detektiv an einem wichtigen Mordfall“, sagte er, worauf die Sekretärin am anderen Ende sichtlich verblüfft war. „Sie können gleich kommen, der Professor ist am Nachmittag ohnehin im Büro.“ Mario Steiner ließ ein paar Abzüge des Digitalfotos ausdrucken, auf dem der Fisch jedoch leider nur verschwommen zu sehen war.

Der Professor, der von seiner Sekretärin bereits informiert worden war, erwartete ihn bereits. „Sie ermitteln in einem Mordfall?“, sagte der Professor irritiert, „ich weiß nicht, wie ich Ihnen behilflich sein kann – ich bin Zoologe.“ Der Detektiv zog die Fotos aus der Tasche und legte sie ihm auf den Schreibtisch. „Ich verstehe“, sagte der Professor. „Was verstehen Sie?“, wollte der Detektiv wissen. „Ja, wissen Sie denn nicht? Dieser Fisch, er ist einer der tödlichsten im ganzen Tierreich. Selbst Millionstel Gramm des Giftes in seinen Stacheln können Menschen auf der Stelle töten. Er stammt aus Australien. Ein einziger Stich genügt, und man ist auf der Stelle tot.“ „Ich danke Ihnen, Herr Professor, für die wichtigen Informationen.“ Er eilte mit den Fotos hinaus und rannte zu seinem Auto.

Noch unterwegs rief er Kommissar Reiners an. „Es ist ein tödliches Fischgift aus Australien“, sagte der Detektiv ohne lange Erklärung. „Ein Gift?“, raunte Reiners ins Telefon, „ich habe schon so etwas vermutet. Das Beste wird sein, wir treffen uns um vier im gerichtsmedizinischen Institut. Ich gebe inzwischen dem Arzt einen Hinweis.“

Reiners ging in die Pathologie und eilte in den Obduktionssaal. „Und haben Sie die Spuren gefunden?“, fragte er den Arzt, nachdem er ihm von der Information erzählt hatte. „Nein, leider. Obwohl wir nun das genaue Gift kennen, kann ich es im Körper des Ermordeten nicht finden. Die Analysemethoden stoßen bei solch geringen Mengen an eine Grenze. Die einzige Hoffnung wäre, dass wir die exakte Eintrittsstelle des Giftes herausfinden.“ Kommissar Reiners fühlte sich frustriert. „Haben Sie die Leiche vollständig untersucht? Irgendwelche Einstichstellen an den Armen oder Beinen?“, fragte er. „Ja, ich habe selbst nach intensivem Suchen nichts gefunden.“ „Und wenn er es beim Essen zu sich genommen hat oder durch ein Getränk?“, meinte der Kommissar. „Tut mir leid; ich habe den Mageninhalt untersucht. Nichts. Es ist auch unwahrscheinlich, dass eine derart geringe Menge nach so vielen Stunden noch nachweisbar ist.“

In diesem Augenblick trat der Detektiv ein. „Und sind Sie fündig geworden?“ „Fehlanzeige!“, antwortete der Kommissar missgelaunt, „keine Einstichstelle – nichts. Wenn es eine Vergiftung war, wissen wir nicht, wie ihm das Toxin verabreicht wurde, und dann können wir den Täter nicht überführen.“ Der Detektiv dachte einen Augenblick nach. „Ich habe Ihnen doch erzählt, dass die Witwe des Ermordeten eine Liebesbeziehung hat.“ „Ja, dort haben Sie auch den Fisch im Aquarium entdeckt“, ergänzte der Kommissar. „Ja, und wissen Sie auch, welchen Beruf der Mann hat?“, fragte der Detektiv. „Verraten Sie es mir! Vielleicht Lachszüchter?“, spöttelte Reiners. Der Detektiv lachte: „Nein, er ist Zahnarzt.“ „Zahnarzt?“, sagte der Gerichtsmediziner ungläubig. Sofort ging er zu der Leiche und öffnete den Mund. Als der Detektiv es sah, wurde er blass und wandte sich ab. „Sie müssen sich wohl gleich übergeben“, frotzelte der Kommissar, der ihn für ein Weichei hielt. Unterdessen nahm der Arzt eine Zange und löste eine Jacketkrone, die noch ziemlich neu aussah. „Ich werde sie nach Giftspuren untersuchen lassen“, kommentierte der Arzt.

Nach einer halben Stunde lag das Ergebnis vor: Die Krone enthielt Spuren des Giftes, das durch die Krone über das Zahnfleisch allmählich in den Körper des Opfers sickerte.

Am anderen Tag telefonierte der Detektiv mit Reiners. „Die Witwe und ihr Geliebter haben alles gestanden. Wir haben sie beide verhaftet“, sagte der Kommissar zufrieden. „Dank meiner Hilfe“, fügte der Detektiv hinzu. „Ja, so ist es wohl“, brummelte Reiners. „Aber eines hätte ich noch gewusst“, sagte der Detektiv. „Was?“ „Was ist aus dem Mörderfisch geworden?“, fragte der Detektiv. „Nun, den haben wir in den Zoo gebracht“, lachte der Kommissar.

Ende

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